| Die hochklassig besetzte Band präsentiert mit Verve, Fantasie und Spielfreude eine ganz und gar unübliche interkontinentale Reise, die einfach einmalig ist.

Los geht es auf dem indischen Kontinent, wo der Starsitarmeister Deobrat Mishra aus Benares die Embryomusiker trifft, verstärkt durch den renommierte Baritonsaxophonist Michael Lutzeier, der mit seinen Vertonungen der Tonfilmschlager aus der UFA-Zeit gerade in aller Munde ist. Der vorzügliche Tablaspieler Pandit Kumar Lal Mishra (Sohn des großen Pandit Santa Prashad Mishra) hat bereits mit Ravi Shankar gearbeitet Dann ein Sprung nach Kabul wo Embryo Ende der 70 er Anfang der 80er zu "einem Mythos der zeitgenössischen Musikgeschichte geworden ist". Der New Yorker Larry Porter, der in den 70ern bei dem Großmeister der afghanischen Musik Ustad Mohamed Omar in die Lehre ging, zählt heute zu den bedeutendsten Rubabspielern. Auch ein Ass in der Weltmusikszene ist der Türke Mesut Ali. Er hat Embryo vor 20 Jahren auf einer Tournee mit Okay Temiz kennengelernt. Seit Jahren auch ein gern gesehener Gast Murat Cakmaz aus Istanbul, der mit seiner Bambusflöte ein ganzes Orchester ersetzen kann.
Mit einem arabischen Rhythmus geht es mit Hilfe einiger Alphörner (Das Alphornkollektiv hat gerade die EM in Salzburg mit ihrem Sound eröffnet) bis in den Balkan, genial interpretiert von Amon Düül Urgestein Dieter Serfas, der mit Christian Burchard seit über fünf Jahrzehnten Musikgeschichte schreibt und auch für das eindrucksvolle cover verantwortlich ist.
Das übernächste Stück wurde bei Venedig aufgenommen mit dem Tarvirtuosen Fakraddin Gavarov aus Baku / Aserbaidschan, dazwischen zeigen die Embryomusiker ihre Grooves und Improvisationen, wie sie auf Europas Bühnen seit Jahren zu hören sind.
Mit den Alphörnern und dem russischen Fagottwunder Alexandr Alexandrov, der mit der Moskauer Tri-o vor allem in den USA Furore machte, geht die Fahrt nach Nordafrika. Dort spielen sie mit dem Guru des Marokkobeats Black Abdullah der seit Jahrzehnten bekannt ist durch die Aufnahmen mit den Dissidenten, Carlos Santana, Randy Weston, Archie Shepp ......
Dann avantgardistisches, denn Embryo hat nichts zu tun mit Schönfärberei: Erst eine hommage an Christiania das seit 1971 zweifellos eine Vision von einem freieren Leben darstellt, aufgezeichnet vom Dänischen Radio und dann eine kurze Session mit den NNCK aus New York, die von Sonic Youth als die beste band der Welt bezeichnet wird. Das 06 erschienene Album Embryonnck (Staubgold) wurde von der japanischen Zeitung "voice multi media mix" eben zur fünftbesten Platte die je aufgenommen wurde gekürt, vor Neu (Platz 20) und den Neubauten (Platz 56).
Auch dabei aus dem Reich der Mitte, der Multiinstrumentalist Xizhi Nie, der hier auf seiner aus schwarzem Bambus gefertigten Mundorgel zu hören ist, sowie auf zwei weiteren Titeln, wo er auf der Spießgeige Erhu und der chinesischen Holzflöte glänzt.
Dazwischen wurde erstmalig ausgiebig Platz gemacht für den seit den 80 ern mitspielenden Saxophongiganten Monty Waters. Seine Biographie liest sich wie das who is who der black scene: James Brown, Miles Davis, BB King, Sun Ra, John Coltrane ..... allen hat er seine originelle Stimme geliehen.
Urembryone Roman Bunka, der in den letzten Jahren vor allem mit seinen Filmmusiken (Tatort..) Furore machte, ist bei einigen Titeln dabei und hat das Ganze transparent abgemischt.
Diese Cd soll all die Weltmusiker vorstellen, die mit Embryo immer wieder auf der Bühne stehen, einige von ihnen sind für das größte Weltmusikfestival hierzulande verpflichtet, wo die Band für ihr Lebenswerk den Weltmusikpreis Ruth 2008 überreicht bekommt.
Der Musikkenner und Journalist Bernd Noglik dazu:
Embryo für das musikalische Lebenswerk
Der Weg ist das Ziel – nur selten ist eine lebensphilosophische Maxime mit so viel Phantasie und mit einer solchen Langzeitenergie in Klänge umgesetzt worden wie im Spiel der Gruppe Embryo. In Bewegung zu sein bedeutet für die Band, die Musik im Prozess des Improvisierens ständig neu zu erfinden, zugleich aber auch im buchstäblichen Sinne auf Reisen zu gehen und im Austausch mit anderen Kulturen musikalisch zu wachsen. Die 1969 entstandene Keimzelle wurde von Anfang an von einer kollektiven Kraft genährt. Embryo gleicht einer Großfamilie ohne Gruppenzwang, die sich ständig erneuert. Aus dem Jazzrock der Anfangsjahre erwuchs eine weltmusikalische Orientierung, die den Modewellen fern steht und dem Kommerz entsagt. Embryos Ende der siebziger Jahre auf dem Landweg unternommene Reise nach Indien zählt bereits zu den musikalischen Mythen der Gegenwart. Doch die Karawane um Christian Burchard zieht weiter – keiner anderen Moral verpflichtet als der eines gleichberechtigten Gebens und Nehmens. Embryo ist keine Musikrichtung, sondern eine Lebensform.
Künstler: EMBRYO
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